Wunderfitzig-Nivember 2025

Wunderfitzig – eine Liebeserklärung an die Neugier
Heute schenke ich euch ein Wort aus meiner Kindheit, das mir gerade wieder in den Sinn kam: wunderfitzig.
So nannte man jemanden, der neugierig war.Aber nicht diese aufdringliche, ungebetene Neugier, mit der man durchs Fenster guckt, ob die Nachbarn schon wieder falsch parken.Nein – wunderfitzig war eine liebevolle Form von „Ich will’s wissen“.Eine Neugier, die aus Staunen kommt.Und aus dem Gefühl, dass die Welt ein bisschen schöner wird, wenn man sich für sie interessiert.
Ich mochte das Wort schon als Kind.Es klang nach Glockenspiel, nach Kichern, nach klebrigen Fingern und Fragen, die Erwachsene manchmal etwas anstrengend finden.So eine Art neugieriger Mut, der durch keine Benimmregel der Welt zu bremsen war. Eine Frage, die sich durchbohrt, bis man auf den Grund stößt, und vielleicht einen Schatz findet.
„Du Wunderfitzle“, hieß es dann, wenn man wieder nachgebohrt und gefragt hat, warum etwas eigentlich so ist und was dahinterstecken könnte. Das war liebevoll und spiegelte die leichte Überforderung, die uns manchmal packt, wenn Kinder scheinbar einfache Fragen stellen, die sich immer weiter ziehen, bis man selber nochmal ganz neu überlegen muss. Und wie schön das ist, nochmal ganz neu zu überlegen, merkt man, wenn man sich drauf einläßt, selber eintaucht und wühlt - und dann gemeinsam einen Schatz hebt, den man staunend betrachtet.
Neugier ist wie eine kleine Lampe im Bauch.Sie leuchtet immer dann auf, wenn irgendetwas spannend wird.Wenn wir uns fragen: Warum ist das so? Könnte das auch anders sein? Und was hat das mit mir zu tun?
Neugier auf uns selbst ist vielleicht die wichtigste.Sie macht uns weicher.Manchmal auch ehrlicher.Und oft überraschend milde, wenn wir merken: Aha, deshalb reagier ich so. Interessant.Neugier ist die einzige Eigenschaft, die gleichzeitig heilt, verbindet und Spaß macht.Quasi das Schweizer Taschenmesser der Seele.
Lasst uns alle wieder ein bisschen wunderfitziger werden.Nicht klugscheißerisch, denn das heißt: ich weiß es eh schon, muss ich nicht nochmal überlegen;nicht misstrauischer, denn das bedeutet: greift jemand meine Überzeugungen an? Wehe!sondern wirklich wunderfitzig.
Wunderfitzig auf andere Menschen.Wunderfitzig auf neue Gedanken.Wunderfitzig auf Veränderungen, die uns womöglich erst ein bisschen Angst machen und dann plötzlich Freiheit schenken.
Und am allermeisten:Wunderfitzig auf uns selbst.
Was können wir dabei alles entdecken! Wunder.
Vielleicht sollten wir uns wieder trauen, Fragen zu stellen, die man als Erwachsene angeblich nicht mehr stellt:„Warum eigentlich nicht?“„Was wäre, wenn ich’s einfach mal probiere?“„Und was wäre das Schlimmste, das passieren könnte?“
Die Antwort ist fast immer: Nix Dramatisches. Oder - um es mit Pipi Langstrumpf zu sagen: das habe ich noch nie gemacht, also wird es sicher gut!
Ich glaube, Neugier macht uns lebendig.Sie hält uns wach, beweglich, offen.Und sie verhindert, dass wir mit fünfzig innerlich so festgefahren sind wie eine Spülmaschine im Kurzprogramm.
Also ja:Ich möchte wieder wunderfitziger sein.Aufs Leben.Auf die Menschen, die mir begegnen.Auf meine eigenen Abgründe, Talente und Hirngespinste.
Und eure. Schönen Winter, ihr Wunderfitzle!





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